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Sonderschau: Robert Sterl "Russische Impressionen"

- Am Hafen von Astrachan, um 1910; Öl auf Leinwand

- Vier Schiffszieher am Treidel, 1912; Tuschfeder u. Bleistift auf Papier
Robert Sterl (1867-1932)
Die russischen Arbeiten des Dresdner Impressionisten.
Werke aus einer bedeutenden Privatsammlung
Robert Sterl (1867-1932) gehört zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Impressionismus, obwohl sein Name neben denen seiner berühmteren Kollegen - Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt – noch immer selten genannt wird.
Der 1867 geborene Dresdner Maler und Zeichner Robert Sterl hat Wesentliches zur Ausbildung einer spezifisch sächsischen Variante des deutschen Impressionismus beigetragen. Robert Sterl hatte von seinen Studienaufenthalten in Frankreich und Holland vielerlei Inspirationen und Impulse künstlerischer Art mitgebracht. Seit 1904 war er als Professor an der Dresdner Kunstakademie tätig und konnte hier wichtige kunstpolitische und künstlerische Reformen durchsetzen. Sterl, dessen Werke einen hohen thematischen Anspruch mit sozialem Impetus haben und schon bald nach der Jahrhundertwende erste expressive Ausdrucksformen zeigten, hat die Dresdner Malerei im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt.
Der Dresdner Impressionist Robert Sterl genießt in Sachsen, Berlin und Rostock, wo sich eine Vielzahl seiner Gemälde in Museumsbesitz befindet, eine größere Popularität als im westlichen Teil Deutschlands. Seine Werke dem Publikum auch an Rhein, Main und Neckar nahe zu bringen, ist ein Herzensanliegen des Kölner Sammlers, das er schon seit vielen Jahren verfolgt. Die Sonderschau bei der Kunstmesse ART & ANTIQUE in Baden-Baden bietet einen schönen Anlass für einen interessanten Einblick in einen Teil seines Schaffens.
Aus dem Bestand von etwa 150 Bildern in der größten bekannten Privatsammlung von Werken Robert Sterls werden für die geplante Ausstellung in Baden-Baden mehr als 20 seiner russischen Motive ausgewählt. Sie entstanden zwischen 1908 und 1914, als Sterl vier ausgedehnte Wolgareisen an Bord eines Konzertdampfers unternahm und bedeutenden russischen Musikerpersönlichkeiten wie Sergej Kussewitzky, Alexander Skrjabin, Igor Strawinsky und Sergej Rachmaninow begegnete. Ebenso wie seine Porträts aus der Dresdner Musik- und Theaterwelt, die der Maler in einer Vielzahl impressionistischer Momentaufnahmen festgehalten hatte, entstanden nun auch auf den Konzertreisen entlang der Wolga unzählige Figuren- und Bewegungsstudien von Orchester, Musikern und Dirigenten.
Aber auch das einfache Leben der Menschen in Rußland beeindruckte Sterl, und seine Bilder erzählen von Hafenarbeitern, Lastenträgern beim Be- und Entladen der Schiffe, von Fischern und Schiffstreidlern am Ufer der Wolga. Zu den Eindrücken, die sich dem Maler entlang des Flusses und in den Häfen boten, gehörten auch vielfigurige Szenen von religiösen Festen, Prozessionszügen und Begräbnissen sowie Bilder vom Leben der Russen, Tataren und Perser, die der Künstler auf den langen Wolgareisen zwischen Moskau und dem Kaspischen Meer festhielt. Neben dem Faszinosum des unbekannten Landes unter den Einflüssen der ihm fremden Kultur des Orients ist es Sterls Anliegen, die Arbeit der Menschen als Mühsal und Last nachempfindbar zu machen, wodurch diese Bilder ein stark soziales Gepräge erhalten. Neben einigen Ölstudien und grafischen Arbeiten finden sich in der Baden-Badener Sonderschau vor allem farbige Arbeiten auf Papier, die das Leben der Menschen im zaristischen Russland auf sehr eindrückliche Weise schildern.
Uta H. Fötzsch, Heidelberg
(Kunsthistorikerin und Doktorantin zum Thema Robert Sterl)
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